Mit Long-Short-Strategien durch schwierige Marktphasen

23. Juni 2016

Geringes Marktrisiko dank Absolute-Return-Ansatz

In schwierigen Marktphasen sind sinnvolle, vielversprechende Anlagestrategien rar. Eine Möglichkeit, auch in solchen Marktphasen eine Rendite zu erzielen, ist die Long-Short-Strategie. Wo der klassische Diversifikationsansatz bei der Portfoliooptimierung versagt, kann sie aufgrund der niedrigen Korrelation zu traditionellen Anlageklassen ihre Stärken ausspielen.

Niedrige Zinsen, schwankende Aktienkurse und kaum Aussicht auf Ertrag: Für Anleger sind die Aussichten für das Jahr 2016 ungewiss. Auf der Aktienseite wirken sich die Zinspolitik der Fed sowie sinkende Risikoprämien nicht gerade förderlich auf die Renditeerwartungen aus. Auf der Anleihenseite stellt sich die Situation nicht besser dar. Sichere Staatsanleihen bringen so gut wie keine Zinsen. Die einzige Möglichkeit scheinen Anleihen mit geringerer Bonität zu sein. Doch sinkende Spreads lassen auch hier nur geringe Renditen zu. Für die Portfoliooptimierung hat diese Situation verheerende Folgen. Mischfonds waren lange Zeit eine gute Alternative. Doch in der aktuellen Situation können auch sie keinen befriedigenden Lösungsansatz vorweisen.

Funktionsweise

Die klassische Portfoliotheorie folgt dem Ansatz der breiten Diversifikation. Je höher die Diversifikation, desto geringer das Portfoliorisiko und desto höher die erwartete Rendite – zumindest im Grundsatz. Dieser Ansatz ist zwar richtig. Dennoch gibt es Phasen, in denen er nicht den gewünschten Effekt bringt. Ein Problem, das dabei auftritt, liegt – neben den geringen Renditeerwartungen – auch in den Korrelationen. Eine breite Diversifikation ist nur dann sinnvoll, wenn die Korrelationen zwischen den im Portfolio eingesetzten Anlageklassen niedrig sind. Doch die Vergangenheit zeigt: Korrelationen sind nicht stabil. In turbulenten Marktphasen nehmen sie zu und machen so angestrebte Diversifikationseffekte zunichte.

Alternative Anlageklassen als Lösungsansatz

Um diesem Dilemma zu entgehen, bietet es sich an, das Portfolio mit Strategien anzureichern, die eine geringe oder gar keine Korrelation zu klassischen Anlageklassen haben, deren Wertentwicklung also von den klassischen Anlageklassen losgelöst ist. Hedgefonds-Strategien wie zum Beispiel Long/Short Equity, Convertible (Bond) Arbitrage, Global Macro oder Übernahme-Arbitrage sind eine solche Möglichkeit. Obwohl Hedgefonds-Strategien bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts angewendet werden, sind sie deutschen Privatanlegern erst seit einigen Jahren über klassische Publikumsfonds zugänglich. Eine dieser Strategien ist die Long-Short-Strategie.

Wie funktioniert Long/Short?

Die weltweit am meisten angewandte Praktik ist einfacher, als es der Name zunächst suggeriert. Der Fondsmanager kauft aus seiner Sicht unterbewertete Aktien („Long-Position“) und verkauft gleichzeitig andere, überbewertete Aktien („Short-Position“). Hier setzt er also gleichzeitig auf fallende und steigende Kurse. Entwickelt sich die erste Aktie besser, so verbucht der Anleger einen Gewinn. Entspricht der Umfang der Long-Position dem Umfang der Short-Position, so spricht man von einem Pair Trade. Ein Long Bias (Short Bias) liegt vor, wenn ein Positionsübergewicht der Long-Position (Short Position) vorliegt. Der Vorteil liegt auf der Hand: Mit dieser Strategie ist theoretisch in jeder Marktsituation ein positiver Ertrag möglich.

Ob eine Long-Short-Strategie aber tatsächlich zum Erfolg führt, ist abhängig von der Fähigkeit des Managements, die richtigen Entscheidungen zur richtigen Zeit zu treffen:

  • Long- und Short-Position richtig: Es wird ein positiver Ertragerzielt.
  • Long-Position richtig, Short-Position falsch: Beide Positionen heben sich gegenseitig auf, Ergebnis ist weitestgehend neutral.
  • Long-Position falsch, Short-Position richtig: Beide Positionen heben sich gegenseitig auf, Ergebnis ist weitestgehend neutral.
  • Long- und Short-Position falsch: Anleger erleidet massive Verluste.

Vorteile von Long-Short-Strategien

Im Idealfall entwickeln sich sowohl Long- als auch Short-Positionen
in die gewünschte Richtung und bringen so hohe Erträge. Das eigentliche Ziel von Long-Short-Strategien liegt jedoch woanders: Ein klassischer Long-only-Fonds hat 90 Prozent Marktrisiko. Er versucht lediglich, einen Vergleichsindex zu schlagen. Eine Zielerreichung liegt auch dann vor, wenn sich der Markt insgesamt negativ entwickelt hat und der Anleger Verluste erleidet. Bei Long-Short- Strategien kann das Marktrisiko hingegen bis auf ein Minimum abgesenkt werden. Durch den Absolute-Return-Ansatz agieren die Fondsmanager benchmarkfrei mit dem Ziel einer absolut positiven Rendite.

Auswahl der Produkte entscheidend

Den Umstand der Marktneutralität und niedrigen Korrelation können Anleger für die Optimierung ihres Portfolios nutzen. Die Beimischung von Long-Short-Fonds kann zu einer Stabilisierung führen. In einem kombinierten Portfolio liefern die Long-only-Fonds überwiegend Beta, wohingegen die Long-Short-Komponente eine zentrale Rolle zur Alphagenerierung spielen kann. Wie in jeder anderen Assetklasse auch ist die Auswahl der Produkte entscheidend. Sie unterscheiden sich etwa in ihrer Investitionsquote. Nicht jeder Fonds hat dauerhaft ein neutrales Beta. Viele Fonds steuern dieses, indem sie es in Aufwärtsphasen erhöhen und in Abwärtsphasen wieder absenken. Auch bei den Volatilitätsvorgaben sind Unterschiede gegeben.

Markt_Alpharisiko

Langfristige Wachstumspartizipation dank kontrollierter Volatilität

Beim Martin Curie European Absolute Alpha Fund wird ein aktives Stock Picking betrieben. Das Managementteam nutzt ein eigenes Bewertungsverfahren, um sowohl nach quantitativen als auch nach qualitativen Kriterien Titel zu selektieren. Long- und Short-Positionen sind das Ergebnis dieser exzessiven Einzeltitelanalyse des Fondsmanagements und werden unabhängig voneinander eingegangen. „Kontrollierte Volatilität“ ist hier die Zauberformel der Manager, die sich schon seit 17 Jahren mit der Long-Short-Strategie befassen. In Kombination mit einem disziplinierten Top-down Makro- und -Risikomanagement sollen Anleger am langfristigen Wachstum europäischer Aktien partizipieren bei gleichzeitiger Kontrolle der Volatilität. Dazu wird das Beta in Baisse-Phasen gesenkt. Das Ergebnis: Seit 2001 haben die Manager den MSCI Europe übertroffen – bei halber Volatilität und lediglich einem Fünftel Drawdown. Aktuell liegt das Beta des UCITS-Fonds bei 0,41. Langfristig kann der Fonds mit seiner Strategie durchaus eine Marktneutralität erzielen.

Absicherung mit Indizes

Ein eher konservatives Produkt stellt der LOYS Global L/S dar. Der Fonds hat als Ziel, das Marktrauschen aus der Performance größtenteils zu exkludieren und primär wahres Alpha für die Anleger zu generieren. Angestrebt wird eine Rendite in Höhe von 3 bis 6 Prozent p. a. bei einer Volatilität von unter 5 Prozent p. a., so dass der Fonds sich als Depot-Stabilisierungsfaktor in schwierigen Marktphasen und für Anleger mit einem Mindestanlagehorizont von drei Jahren eignet. Er ist mit einem Long-Bias aufgestellt, wobei die Netto-Aktienquote flexibel gesteuert wird und im Regelfall 20 bis 40 Prozent beträgt. Die maximale Bandbreite für die Netto-Investitionsquote beträgt zwischen 10 und 60 Prozent. Aktuell liegt sie bei rund 25 Prozent. Interessant ist hier die Vorgehensweise des Fondsmanagements bei der Absicherung der Positionen. Im Gegensatz zu den meisten Long-Short-Fonds werden keine Einzelpositionen, sondern die jeweiligen nationalen Marktindizes geshortet. Das hat seinen berechtigten Grund: LOYS ist, erkennbar an den Long-only- Flaggschiffaktienfonds des Hauses, bekannt als Stock Picker. Short-Positionen werden nur zum Zwecke der Absicherung eingegangen. Die eigentliche Rendite generiert das Management dank seiner intensiven Fokussierung auf die Auswahl von Einzeltiteln für die Long-Seite. LOYS sucht nach Qualitätsunternehmen, die nach eigener Meinung eine deutliche Unterbewertung aufweisen. Um dem Sicherheitsgedanken Rechnung zu tragen, muss der Kaufkurs mindestens 30 Prozent unterhalb des errechneten fairen Werts liegen, womit sich ein doppeltes Sicherheitsnetz ergibt. Die Absicherung erfolgt über das Shorten des zum Titel passenden nationalen Marktes mithilfe von Index-Futures. Eine Absicherung über Indizes führt ebenfalls der DNCA Miuri durch. Das französische Fondshaus, mittlerweile Teil der Natixis Gruppe, legte den Fonds im Jahr 2011 auf. Das Ziel auch hier: eine stabile Rendite unabhängig von den Aktienmärkten. Die Strategie beruht auf dem aktiven Stock-Picking-Ansatz. Das Managementteam um Cyril Freu wählt solche Unternehmen aus, die nach eigener Einschätzung besser laufen sollen als der Markt, von denen es also ein Alpha erwartet. Die fundierte Selektionsstrategie beruht auf entscheidenden Faktoren der Unternehmensanalysen, wie zum Beispiel Cashflow- oder Bilanzanalysen. Das Portfolio besteht aus rund 50 Titeln aus der Eurozone, dem Vereinigten Königreich, der Schweiz und Skandinavien. Auf der Absicherungsseite setzt das Management Index-Futures ein. Das Marktexposure wird dabei variabel gehalten, ist aber auf +/–30 Prozent des Fondsvermögens gedeckelt. Der Fonds setzt ausschließlich auf Aktien. Hebel oder komplexe Derivate werden nicht eingesetzt. Anleger können bei diesem Fonds – bei einer Volatilität von maximal 5 Prozent p. a. – eine durchschnittliche Wertentwicklung von 3 bis 5 Prozent erwarten. Zu beachten ist hier der Anlagezyklus, der laut dem Management bei drei bis fünf Jahren liegt.

Long/Short mit Mid und Small Caps

Credit Suisse verfolgt mit dem Small and Mid Cap Alpha Long/Short Fund einen anderen, ebenfalls interessanten Ansatz. Im Gegensatz zu den übrigen Fonds wird die Long-Short-Strategie auf Small und Mid Caps angewendet. Für Anleger sind die Vorteile klar: Sie können die Opportunitäten von Small und Mid Caps ausnutzen und gleichzeitig vom Long-Short-Ansatz profitieren. Mit einer Zielrendite von 8 bis 10 Prozent p. a. und einem Volatilitätsziel von 8 Prozent p. a. über einen Anlagezyklus von circa 4 Jahren ist der Fonds vergleichsweise offensiv aufgestellt. Dazu wird das Netto-Exposure flexibel gesteuert. Grundsätzlich liegt es in einem Rahmen von 20 bis 45 Prozent, wobei es in außergewöhnlichen Marktsituationen auch durchaus höhere oder niedrigere Werte annehmen kann. Aktuell liegt es bei 30 Prozent. Um Anlegern einen Mehrwert zu generieren, setzt das Managementteam um Felix Meier einen stringenten Stock-Picking-Ansatz um. Dank seiner langjährigen Erfahrung im Small- und Mid-Cap-Bereich fokussiert es sich auf zukunftsweisende Konzepte und filtert die interessantesten Titel in diesem Segment. Es wird mittel- bis langfristig eine Sharpe Ratio von 1 angestrebt. Rund 60 Prozent des Portfolios bestehen aus Titeln des deutschsprachigen Raums.

Faktor Mensch als Achillesferse

Wie bei allen anderen Fonds und Assetklassen ist auch bei Long-Short-Fonds zu beachten, dass es grundsätzlich keinen „Free Lunch“, also Ertrag ohne Risiko, gibt. Neben dem klassischen Selektionsrisiko ist bei Long-Short-Strategien das Timing ein entscheidender Faktor. Denn gerade bei der aktiven Steuerung des Market Exposure kann die Grundidee einer Marktneutralität zunichtegemacht werden, wenn der Manager das richtige Timing verpasst. Die Folge wäre eine ungewollte Abhängigkeit vom Aktienmarkt. Diesen Risiken können Anleger allerdings vergleichsweise einfach begegnen. Erstens ist auf ein stark ausgeprägtes Risikomanagement zu achten. Gerade bei Long Short-Strategien spielt das Risikomanagement eine noch größere Rolle als bei klassischen Longonly- Produkten. So zeichnen sich alle hier genannten Fonds durch ein stringentes Risikomanagement mit laufender Überwachung der Positionen aus. Zweitens lässt sich das Managerrisiko durch den Einsatz mehrerer Fonds vergleichsweise einfach wegdiversifizieren. Im Gegensatz zu klassischen Long-only-Fonds liegt hier in der Regel eine geringere Korrelation der einzelnen Fonds miteinander vor – für die Portfoliooptimierung ein unschätzbarer Vorteil.

Ihr Ansprechpartner

Sasa Perovic
Leiter Markt- und Fondsresearch
sperovic@netfonds.de
Telefon: (0 69) 870 020-413


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